Das Gemischte Tüte-Interview

Schlaffke Wolff interviewt Zwakkelmann zum neuen Tonträger

Wem das zu wenig ist, der findet hier ein weiteres, ausführliches Interview mit Schlaffke: Awayfromlife 

Schlaffke: „Hello again, Herr Zwakkelmann.“

Zwakkelmann: „Tachchen.“

Schlaffke: „Lass uns direkt loslegen. Seit „Liebhaberei“ sind vier Jahre vergangen. Was hat sich seitdem getan?“

Zwakkelmann: „Nun ja, ich hab im Grunde weitergemacht wie bisher: Konzerte mit Bigband sowie kleinem Besteck gegeben. Aber ich war zudem nach langer Pause auch noch mit Schließmuskel aktiv.“

Schlaffke: „Aber Ende 2022 stieg zunächst Zwakkel-Drummer Tobi aus?“

Zwakkelmann: „Jo, seitdem holzt Baum von Ernte 77 – neben MariusOHase am Bass – in der Zwakkelmann-Bigband. Mit dem werten Herrn Baum haben wir auch ziemlich schnell angefangen, neue Songs einzustudieren.“

Schlaffke: „Und gestaltete sich das schwierig?“

Zwakkelmann: „Probleme bereitete uns eher die geliebte Deutsche Bahn. Baum muss ja für jede Probe aus Köln mit dem Zug an den Niederrhein tingeln. Wie oft es da zu Verspätungen kam, geht auf keine Kuhhaut.“

Schlaffke: „Aber musikalisch lief es jut?“

Zwakkelmann: „Definitiv! Das hat auf Anhieb hervorragend funktioniert. Total unkompliziert. Baum setzt alles super schnell um, ist flexibel und fit.“

Schlaffke: „Darauf reimt sich „Shit“, nee, „Hit“. Hatte Herr Zwakkelmann denn schon wieder genug fertige Lieder? Oh, ich reime auch schon wieder.“

Zwakkelmann: „Ich kann scheinbar nicht anders. Ich hatte tatsächlich jede Menge Stücke in der Pipeline und schaute zusätzlich in mein Songarchiv hinein. Genug Material war da – sagen wir mal: keine 500 Songs. Ha, ha, ha!“

Schlaffke: „Welche Stücke waren denn schon älteren Datums? Die mit Bums?“

Zwakkelmann: „Zum Beispiel „Das war doch klar“, „Der erfolgloseste Musiker aller Zeiten“ und „Jammerlappen“. Die Songs hab ich aber komplett überarbeitet. Ich schraube lange an den Texten, überlege mir die passende Tonlage und komponiere zu Hause in Ruh neues dazu. Mit Marius und Baum feilten wir dann heiter weiter im Proberaum.“

Schlaffke: „Du reimst schon wieder wild drauf los. Grandios. Sollte es härter klingen?“

Zwakkelmann: „Ja, ich wollte wieder mehr Richtung Punk gehen – auch wegen Baums Energie. Insgesamt sind die Songs einfacher und eingängiger ausgefallen als auf dem Vorgänger.“

Schlaffke: „Die „Gemischte Tüte“ klingt tatsächlich anders als „Liebhaberei“. Ihr seid wieder ein Stück zurück in die Garage gefahren. Was hat sich produktionstechnisch verändert?“

Zwakkelmann: „Wir konnten im wunderschönen Studio in Haldern, direkt um die Ecke, entspannt aufnehmen. Ich liebe die Atmosphäre dort. War ja schon öfter da. Matthias Höfkens ist außerdem ein großartiger Typ, mit dem man super zusammenarbeiten kann. MariusOHase und Baum haben 17 Songs live nach Klick in nur drei Tagen eingespielt. Keine programmierten Drums – alles echt.“

Schlaffke: „Nicht schlecht. Du kannst froh sein, die beiden am Start zu haben. Und dann musste Dr. Zwakkelmann ran?“

Zwakkelmann: „Genau. Das lief auch prima – abgesehen davon, dass uns zwischendurch diverse Zipperlein niederstreckten und der nagelneue Studio-Mac abrauschte.“

Schlaffke: „Mac, oh Schreck! Und nebenbei hast du dich noch in Cubase eingearbeitet?“

Zwakkelmann: „Yes, ich rüstete mein Heimstudio kurz vorher ordentlich auf. Dadurch hatten wir plötzlich unbegrenzte Möglichkeiten für Overdubs. Es kamen also noch jede Menge Spuren dazu – inklusive Instrumenten, die bei Zwakkelmann in den vorherigen Jahren eigentlich nie ein Thema waren: Klavier, Cembalo, Jazzgitarre und so weiter.“

Schlaffke: „Wolltet Ihr wieder mit Kurt Ebelhäuser mischen?“

Zwakkelmann: „Ja, aber technisch und logistisch ließ sich das nicht realisieren. Matthias und ich haben uns etwas verzettelt. Manche Songs hatten am Ende knapp 150 Tonspuren. Wir haben jede Gitarre mit gefühlt tausend Mikrofonen aufgenommen – eindeutig zu viel des Guten. Deshalb entschieden wir uns, digital zu mischen, allerdings mit den analogen Geräten in Haldern.“

Schlaffke: „Ein ziemlicher Kraftakt.“

Zwakkelmann: „Exakt. Aber ich wollte nichts unter Zeitdruck übers Knie brechen. Parallel waren wir ja auch noch mit Schließmuskel im Studio. Bei Kurt wird analog gemischt, da muss alles schneller gehen.“

Schlaffke: „Ihr habt auch einige Gäste dabei, etwa Ede Wolff, Alex Schwers und Vicky. Außerdem war Chefdenker-Claus in da house.“

Zwakkelmann: „Ich bin nicht wirklich der große Buddy-Typ. Mit Claus verbindet mich aber was Besonderes. Sehr angenehmer, kluger Mensch. In der Chefdenker-Knochenfabrik-Detlef-Blase hab ich mich immer wohlgefühlt. Die Kölner sind sowieso ein sympathisches Völkchen. Schlagzeuger Baum wohnt ja auch in Kölle.“

Schlaffke: „Yeah, und Vicky spielte zudem noch jede Menge Overdubs ein?“

Zwakkelmann: „Trotz Punkrock-Schüppe wollte ich, dass bestimmte Passagen anders klingen als auf den Alben zuvor. Dazu hatte mir auch Mastering Majestro Andi Jung geraten. Deshalb Vickys großartige Einsätze beispielsweise bei „Muss das wirklich sein“ und „Schlechter Mensch“. „Schlechter Mensch“ hätte sich sonst auch zu sehr nach „Ja, vielleicht bin ich asozial“ angehört. Das hat den Songs mehr als gutgetan, sag ich mal so im Wahn.“

Schlaffke: „Ede mischte auch wieder mit bei dem ein oder anderen Hit?“

Zwakkelmann: „Edes Gitarrenspuren, einfach nur stark. Genauso Dada mit seinen Gitarrenparts. Das sind die i-Tüpfelchen der Produktion.“

Schlaffke: „Und für Mix und Mastering habt ihr euch ebenfalls Zeit gelassen?“

Zwakkelmann: „Für wahr, der gesamte Prozess dauerte fast ein halbes Jahr.“

Schlaffke: „Oh, ha!“

Zwakkelmann: „Mastering-Legende Andi Jung habe ich gesagt: Hol das Maximum raus! Und das tat er. Die Mixe wurden zwischen Hamminkeln und Berlin hin- und hergeschickt. Aus rund 100 Tonspuren, für jeden Song knapp 6 bis 8, die er von uns bekam, wurden hinterher sage und schreibe 2000.“

Schlaffke: „Wahnsinn. Hat sich der Aufwand gelohnt?“

Zwakkelmann: „Absolut. Ich bin total zufrieden mit dem Sound. Beim sogenannten Stem- Mastering kann man nochmal schön einige Schüppen drauflegen.“

Schlaffke: „Ein Segen. Klanglich kann die Platte locker international mithalten. Allerdings erscheint sie nicht mehr über Hulk Räckorz?“

Zwakkelmann: „Ja, das hat sich so ergeben. Ich wollte Label-mäßig was Neues ausprobieren. Über die beiden Schließmuskel-Platten kam vergangenes Jahr der Kontakt zu Sterbt alle Records zustande.“

Schlaffke: „Yeah, Mike aus Hamburg, der die alte Schließmuskel-LP und die neue Single rausbrachte?“

Zwakkelmann: „Genau, das lief alles sympathisch, unkompliziert und schnell ab. Außerdem zeichnete sich im Vorfeld ab, dass Fratz von Hulk wenig Zeit für unsere Veröffentlichung haben würde. Neben dem Label ist er ja quasi viertes Bandmitglied bei Wizo und macht zudem viel Booking-Arbeit. Wir haben uns aber absolut im Guten getrennt.“

Schlaffke: „He, he, und die CD?“

Zwakkelmann: „Da Sterbt alle Records eher auf Vinyl spezialisiert ist, ich aber unbedingt auch eine CD wollte, kam Andre Sinner von Weird Sounds ins Spiel. Darüber erscheint nun die Compactdisc und das ganze digitale Zeugs.“

Schlaffke: „Zwei Labels hat der feine Herr also. Gibt`s auf der CD noch Extras?“

Zwakkelmann: „Ja, die Stücke „Ein Fall in Rosa“, „Neben der Spur“ (by the way einer meiner Favoriten) und „Blöde Ziege“, das Pendant zu „Blöder Boomer“. Wobei die Songs auch auf der Single der Special Edition zu finden sind.“

Schlaffke: „Special Edition? Was steckt dahinter?“

Zwakkelmann: „LP, CD, Vinylsingle mit „Blöde Ziege/Blöder Boomer“ plus Alternativ-Version von „Das war doch klar“, eine Stofftasche, Aufkleber und eine exklusive Kurzgeschichte.“

Schlaffke: „Klingt nach jede Menge Wertanlagen.“

Zwakkelmann: „Unbedingt. Deshalb rate ich, schnell zuschlagen!“

Schlaffke: „Und das Cover wurde erstmals selbst gemalt?“

Zwakkelmann: „Yes. Wir wollten bewusst, entgegen dem langweiligen KI-Kack, was handgemachtes machen. Das Artwork stammt vom Weseler Kunstkollektiv „Kegelrobben“, dem ich angehöre und das mich u.a. auch bei Videos unterstützt.“

Schlaffke: „Ganz schön viel Arbeit für eine Platte.“

Zwakkelmann: „Ja, ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich nochmal so einen Aufwand betreiben werde. Der Aufnahmemarathon, die Special Edition, Promotion, Videos. Und es ist ja nach wie vor Liebhaberei. Keine Sponsoren, kein staatliches Geld. Alles auf eigene Kappe produziert, wie es in „Der erfolgloseste Musiker…“ so schön heißt.“

Schlaffke: „Ihr seid wahrscheinlich froh, wenn die Kosten halbwegs reinkommen.“

Zwakkelmann: „Genau deshalb: Kauft das Album! Egal in welcher Version. Ich hoffe, dass Sterbt alle Records und Weird Sounds zumindest ein bisschen was dran verdienen.“

Schlaffke: „Bist du denn mit den bisherigen Reaktionen zufrieden?“

Zwakkelmann: „Sehr sogar. Es gab schon einige phänomenale Vorschusslorbeeren. „Interessiert doch kein Schwein“ landete im Musikexpress unter den 50 besten Songs 2025 von Linus Volkmann. „Der erfolgloseste Musiker aller Zeiten“ wurde im Reflektor-Podcast von Jan Müller (Tocotronic) lobend erwähnt und lief in der Donots Rockshow von Ingo Donot. Das hatten wir bisher noch nie. Hi, hi!“

Schlaffke: „Radio Bob, top! Und das Video zu „Der erfolgloseste Musiker…“ hat bereits die 60.000-Marke geknackt.“

Zwakkelmann: „Gekackt? Pardon, verhört. Eigentlich liefen alle Clips 1A.“

Schlaffke: „Oh ja, denn man tau.“

Zwakkelmann: „Jau, jau.“

Schlaffke: „Tschau, werte Zwakkelfrau!“