Gemischte Tüte-Kritiken

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Awayfromlife
Zwakkelmann – Gemischte Tüte Doppelreview (2026)
‚Gemischte Tüte‘ ist die 10. Veröffentlichung von Zwakkelmann, also besser mal zu zweit mit Argusaugen das Jubiläumswerk beäugen.

Review von Gripweed
Wer ist eigentlich Zwakkelmann? Der erfolgloseste Musiker aller Zeiten, wie es ein YouTube-Video nahelagt? Ist er ein Schlechter Mensch? Oder doch ein Sympathischer Mensch? Ein Blöder Boomer? Oder gar eine Blöde Ziege? Ganz ehrlich, Interessiert doch kein Schwein!
Aber nee, ich zähle nur Songtitel auf. Zwakkelmann ist Schlaffke, der Sänger von Schließmuskel, seit den 1980ern aktiv, immer mal wieder aufgelöst, derzeit glaube ich aktiv. Schlaffke ist auch Zwakkelmann, mal solo, mal mit Vicky am Cajon und mal als echtes Punkrock-Trio mit FC Baum und Marius OHase (na, passt ja in die Osterzeit).
Gemischte Tüte heißt die punkrockige neue Scheibe, die als Vinyl und mit drei Bonussongs auf CD erscheint. Der erfolgloseste Musiker aller Zeiten ließ sich nicht lumpen. Die auf 100 Stück Gemischte Tüte-Sonderedition mit LP (gelb deckend mit schwarzen und pinkfarbenen Splattern), CD (Digipack), Vinyl-Single Blöde Ziege vs. Blöder Boomer inkl. Bonustrack (gelbes Vinyl), Gemischte Tüte-Stofftasche, Underground-Aufkleber sowie einer exklusiven Kurzgeschichte rund um das Album stellt dabei das Paradestück des Albums dar. CD und LP haben unterschiedliche Cover. Schon krasse Veröffentlichungsorgie.
Aber das Album lohnt sich. Prominente Gäste wie Claus Lüer (Knochenfabrik, Chefdenker) und Ede Wolff (Schließmuskel) lockern das Album auf und auch punkrockferne Instrumente, wo Cembalo, Klavier und Hammond-Orgel sind zu hören. Letzteres stilsicher beim 70er Jahre Heldensong Detlef, der gerne wäre wie eine Mischung aus Bon Scott und Angus Young. Aber Moment, AC/DC spielten gar keine Hammond-Orgel… Naja, egal.
Insgesamt ein sehr schönes Album mit lustigen, zum Teil absurden Texten, einem Potpourri unterschiedlicher Einflüsse zwischen Deutschpunk, Country und Indierock. Sehr schön und liebevoll gemacht, von daher 4,5 von 5 Punkten und Kaufempfehlung!

Review von Flo
Gemischte Tüte ist die mittlerweile 10. Veröffentlichung unter dem Namen Zwakkelmann. Wer diesen Satz ließt, der weiß sofort, dass das kein Musiker sein kann, der erst ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Und selbst für langgediente Bands ist diese Anzahl schon beachtlich, insbesondere wenn man die ganzen Werke von Schließmuskel mit rein rechnet. Sicherlich ist auch noch Weiteres abseits des Weges angefallen.
Ob Zufall oder nicht, hat Schlaffke sich mit Gemischte Tüte auch ein kleines Geburtstagsgeschenk an sich selbst zum 60. gemacht. Ein beachtliches Geschenk, wenn man sich den Umfang mal anschaut, mindestens 15 Songs auf Vinyl, mit CD und zusätzlicher Vinylsingle kommt man auf knapp 20 Tracks. Das mag jetzt abgedroschen klingen, aber in Zeiten, wo Alben in der Regel nur noch 10 Tracks plus einer großzügigen Akustiknummer als Bonus umfassen, wirkt Gemischte Tüte schon fast dekadent. Der Schlaffke hat es ja, dann kann er es auch zeigen.
Bei 10 Veröffentlichungen kann man davon ausgehen, dass ein Musiker den eigenen Sound doch irgendwann gefunden hat. Irgendwann wusste man, was man bekommt, wenn man eine Zwakkelmann-Platte in der Hand hielt. Schönes Rosa (oder ist es pink?) als Verpackung, das einem freundlich entgegenstrahlt, eingängiger, leicht melodiöser Punkrock und Liedermachertendenzen. Durchaus in hoher Qualität, denn bei all der vermeintlichen Leichtigkeit war immer herauszuhören, dass sich Schlaffke sowohl musikalisch als auch textlich mit Kleinigkeiten beschäftigt. Bis wirklich jedes Detail stimmt und an der richtigen Stelle sitzt. Ein Profi am Werk eben. Jedoch birgt diese Erwartungshaltung das Risiko, dass ab einem gewissen Punkt die Überraschung, vielleicht auch ein stückweit die Vorfreude bei einer neuen Veröffentlichung ausbleibt. Weil man eben weiß, was man bekommt. Zu sagen, dass Zwakkelmann sich im eigenen Muster etwas zu sehr verfangen hat, wäre auf der einen Seite vielleicht unfair, auf der anderen Seite wiederum jedoch wohl auch zutreffend.
Gemischte Tüte ist immer noch Zwakkelmann. Wer die Platte – erstmals auch auf Vinyl – das erste Mal auflegt, der wird nicht auf einmal denken: „Moment mal, hab ich da etwa Tokio Hotel gekauft?“ Der altbekannte Sound ist unverkennbar. Und doch: Es klingt so neu, so frisch, energetisch und fast schon rebellisch. Ich scheue mich normalerweise davor, das an einer Person festzumachen, da häufig zahlreiche Prozesse in so eine Veränderung reinspielen. Da aber das Schlagzeug ein integraler Teil vom Punkrock ist, kann der Zuwachs von FC Baum mit seinen Stöckchen nicht unerwähnt bleiben. Ich werde das Gefühl nicht los, dass an dem frischen Sound FC Baum einen nicht unerheblichen Anteil hat. Klar, Schlaffke selbst hat den Wunsch geäußert, mit Gemischte Tüte wieder ein wenig mehr Punkrock, ein wenig mehr Garage einfangen zu wollen. Aber das funktioniert nur so gut, wie es die anderen beiden Musiker zulassen.
Marius am Bass, bei dem es unglaublichen Spaß macht, ihm beim spielen zuzuschauen, hat sicherlich ein sehr großes Verständnis von Musik und wie Schlaffke tickt. Da er aber nun schon ein paar Jahre Bestandteil des Zwakkelmann-Kosmos ist, spielt bestimmt etwas Betriebsblindheit mit rein. Mit FC Baum kam frischer Punkrockwind in das Trio – nicht notwendigerweise, aber sehr willkommen. Schlaffke ist ein Glücksgriff gelungen und das ganz ohne verzweifelte Aufrufe auf Social Media, dass er einen neuen Schlagzeuger sucht. Gemischte Tüte wirkt viel abwechslungsreicher, lebendiger und kurzweiliger durch das vielfältige Getrommel an der Schießbude. Und das, obwohl es doch auf dem Papier fast nur klassischen Punkrock auf der Platte gibt.
Vicky hat ebenfalls ihren Teil mit Piano, Background und sicherlich noch viel mehr beigetragen, dass Gemischte Tüte ein derart rundes Ding geworden ist. Schlaffke hat sich über die Jahre, nein, Jahrzehnte ein kreatives Umfeld geschaffen, aus dem er nicht nur, aber gerade für Gemischte Tüte aus den Vollen geschöpft hat. Wenn irgendein verirrter Kunsthistoriker (oder Wikipedia) sich in 20-30 Jahren mal mit den Werken des seltsamen Herrn Z. beschäftigt, da bin ich mir schon fast sicher, dass Gemischte Tüte als sehr starkes Werk der späteren Schaffungsphase eingeordnet wird.
Bei den ganzen unterschiedlichen Versionen, sei es nun Vinyl, Vinyl-Bundle mit Single und CD mag man etwas die Übersicht verlieren. Auch, weil man quasi bei keiner Version, wenn man denn nur eine erwirbt, das Gesamtpaket bekommt. Es fehlen quasi immer ein bis zwei Songs, wenn mich nicht alles täuscht. Downloadcodes bei Vinyl gibt es auch keine, womit man sich noch die Tracks hätte holen können, die CD-exklusiv sind. Was schade ist, da sowohl die Tracks auf CD, als auch die auf der Vinylsingle einfach großartig sind. Füllmaterial sucht man auf allen Versionen der Gemischten Tüte vergeblich. Vermutlich hätte man das eleganter lösen können, wobei sich andererseits dann die Produkte kannibalisieren würden. Das ist Jammern auf hohem Niveau.
Gemischte Tüte ist als unfreiwilliges Jubiläumswerk ein richtiger Hingucker geworden. Zwakkelmann, ob man jetzt nun das Projekt als Solo-Ding mit „Gastmusikern“ beschreiben will oder als Band, ist hier zur Höchstform aufgelaufen. Richtig schöner kurzweiliger Punkrock, der trotz 15-20 Tracks sich sofort ins Ohr setzt und immer wieder gehört werden will. Da können sich die jungen Hasen da draußen im Punkrock mit ihren 10-Tracks-Alben was abschauen. CDs bekommt man bei Weird Sounds, Vinyl und Bundle (wobei die Vinylsingle derzeit noch im Presswerk festhängt) bei Sterbt alle Records. Gemischte Tüte erscheint am 10. April 2026.

Bierschinken
Zwakkelmann: Gemischte Tüte
Zwakkelmann wuchtet sein 10. Album (zählt man die Live-Best-Of „Zwakkelmania“ dazu) unter die Hörerschaft. Wer den bekanntesten Hamminkelner aller Zeiten bisher gerne hörte, braucht hier gar nicht weiter zu lesen, sondern kann sich die „Gemischte Tüte“ getrost direkt auf Schallplatte (15 Lieder) oder CD (18 Lieder) bestellen. Hier wird geliefert, was Zwakkelmann-Fans wollen: Eine Mixtur aus Schlager, Punk, Rock und Pop. Dennoch ist die neue Scheibe besser gelungen als der Vorgänger „Liebhaberei“, denn die Lieder fallen wieder lockerer, spaßiger und origineller aus. Heißt: Der Hörer kann mindestens die Hälfte des Albums nach 1x Hören direkt mitsingen und muss auch das ein oder andere Mal direkt schmunzeln oder zumindest anerkennend nicken, wenn alltägliche Scheußlichkeiten in kurzen Drei-Akkorde-Liedern pointiert angeprangert werden.
Auch wenn ich bisher von „Zwakkelmann“ im Singular geschrieben habe, ist das Projekt mittlerweile mehr Band denn je, der langjährige Mitstreiter Marius bedient nach wie vor den Bass und Baum (eigentlich bei Ernte 77) trommelt. Zu erwähnen ist außerdem, dass der Sound diesmal ziemlich fett klingt – von den Lo-Fi-Aufnahmen der Anfangstage ist nichts mehr übriggeblieben. Das ist definitiv zu begrüßen!
Kommen wir zu den Songs: Herausstechend sind durchaus die vorab veröffentlichten Singles „Interessiert doch kein Schwein“, „Spiel doch mal Jazz“ und allen voran „Der erfolgloseste Musiker aller Zeiten“ (der Hit des Albums – Zwakkelmannsche Alltagsmelancholie, wie man sie sich nur immer wieder wünschen kann!). Auch die neue Single „Detlef“ (sie beschreibt die Protagonisten eben dieser Band aus Kölle) ist großartig! Ansonsten gefallen mir „Das war doch klar“ (eine der punkigsten Nummern) und die „Prozedur in Moll“ (die ruhigste Nummer) sehr gut. Auf der Platte kann man lediglich „Blöder Boomer“ hören, das zunächst wegen des etwas abgedroschenen Textes, im Vergleich zu den anderen Songs, leicht abfällt. Dann wird es aber durch „Blöde Ziege“ ergänzt (nur auf CD) und somit macht alles wieder Sinn. Quasi eine Reprise, die ganz am Ende („eigentlich mag ich ja Ziegen“) ein weiteres Mal ironisch gebrochen wird. Auch der Rest der Songs überzeugt durch stilistischen als auch textlichen Abwechslungsreichtum.
Zusammenfassend also ein Album ohne Ausfall (na gut – das gefühlt fünfte Instrumental „Einfall in rosa“ hätte ich jetzt nicht gebraucht, aber vielleicht stellt es ja nur eine Überleitung zu den Bonustracks der CD-Version dar), dafür mit einigen Hits, das jeder Zwakkelmann-Freund haben muss, da es alle Trademarks bedient und dennoch neue Akzente setzen kann! Kabl

Plastic Bomb
Zwakkelmann –-Gemischte Tüte CD
Oh wow, der Zwakkelmann ist schon bei Album Nummer 10 und das wird angemessen zelebriert. CD Version, Lp Version mit anderem Cover, dann noch ne Special Edition mit 7“ und anderen Gimmicks mit dabei, da ist ganz schön was los. Genau so bunt gemischt ist die Songauswahl, irgendwo zwischen Punkrock, Singer Songwriter und Blödelbarde. Bei den Texten ist das ähnlich, hier gibt es Politik, Sozialkritik und ein paar Albernheiten. Den Humor muss man mögen, aber diese Songs sind ja eh nicht für die breite Masse gedacht, von Jazzgitarre bis Klavier und Hammond-Orgel wurde hier einiges ausprobiert und ordentlich für Abwechslung gesorgt. Aber insgesamt ist Zwakkelmann wieder auf der Punkrock Linie unterwegs, hat ein tightes Schlagzeug und Bass mit dabei, außerdem Claus Lüer und Ede Wolff als gesangliche Unterstützung. Eine runde Sache und ein gelungenes Jubiläum!
(CD bei Weird Sounds, Lp bei Sterbt Alle Rec) Frdolin

Ox-Fanzine
ZWAKKELMANN – Gemischte Tüte – LP – Weird Sounds
Er hat es wieder getan. Oops, he did it again. Und wir können Jubiläum feiern. Denn mit „Gemischte Tüte“ veröffentlicht der gute ZWAKKELMANN nun sein zehntes Album. Das hat seine Langzeitkapelle SCHLIESSMUSKEL nicht geschafft. Diese haben zwar mit „Liegeradfahrer halt’s Maul“ im vergangenen Jahr ein furioses Comeback hingelegt, aber nun ist Schlaffke Wolf wieder zurück unter seinem Alter Ego ZWAKKELMANN und erfreut uns mit 15 (LP) respektive 18 (CD) neuen Liedern, die sich wie gehabt keinem festen Genre zuordnen lassen, aber immer unter der Punkrock-Fahne segeln. ZWAKKELMANN bedient sich bei Indierock, Hardcore, Schlager, Country und Chansons, nicht aber beim Jazz. Den verballhornt er aber gekonnt und äußerst unterhaltsam in „Spiel doch mal Jazz“, auch visuell im dazugehörigen Videoclip. Inzwischen hat ZWAKKELMANN in der hiesigen Musikwelt regelrechten Kultstatus erreicht, was an seinen zahlreichen prominenten Fans und Supporten zu sehen ist. Ein Grund dafür ist sicher neben den einfach immer wieder tollen, kleinen Perlen, die er komponiert und textet, auch seine herrlich selbstironische Art, wie man auf diesem Album hervorragend an Liedern wie „Interessiert doch kein Schwein“ oder „Der erfolgloseste Musiker aller Zeiten“ erkennen kann. Ach, ich liebe auch diese Platte wieder von vorne bis hinten. Und nun gibt es ZWAKKELMANN endlich auch auf Vinyl! Abel

Rocktimes
Zwakkelmann / Gemischte Tüte – CD-Review
Von Joachim ‚Joe‘ Brookes
Künstler: Zwakkelmann Label: Weird Sounds Musikstil: Garage Rock, Punk
Aus dem Newsletter zu „Gemischte Tüte“ von Zwakkelmann.
»[…] Mit „Gemischte Tüte“ veröffentlicht Zwakkelmann […] sein mittlerweile zehntes Album. Es erscheint als LP (15 Titel) über Sterbt Alle Records sowie digital und auf CD (18 Titel) via Weird Sounds im Vertrieb von Broken Silence.
Der Titel ist Programm: „Gemischte Tüte“ vereint ein buntes Sortiment eingängiger, abwechslungsreicher Lieder irgendwo zwischen Punk, Rock, Indie und Hardcore. Hier kommt nur Leckeres in die Tüte. […] Inhaltlich bleibt Zwakkelmann seiner Linie treu: persönliche, direkte Texte, oft humorvoll, immer wieder sozialkritisch. Dabei erden Themen aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. […] „Gemischte Tüte“ erscheint erstmals auch auf Vinyl. Zusätzlich gibt es eine Gemischte Tüte-Spezial Edition mit LP, CD, Single, Tasche, Aufkleber und einer exklusiven Kurzgeschichte. Das Cover-Artwork stammt vom Weseler Kunstkollekiv ‚Kegelrobben‘, dem Zwakkelmann angehört und das ihm unter anderem auch die Realisierung von Videos unterstützt. […]«
2022 brachte Zwakkelmann Liebhaberei auf den Markt.
Die CD bringt es auf eine Gesamtspielzeit von 46:31 Minuten.
„Spiel doch mal Jazz“. Da passt die Saxofon-Song-Eröffnung mit Kla-Die perfekt. Zwakkelmann: »[…] Eigentlich müssten wir jetzt ja Jazz spielen. Können wir aber leider nicht richtig. […]« Wer es richtig kann ist Kla-Die und eine Person, die als Intermezzi eine wohlklingende Jazz-Gitarre zupft. Ansonsten ist temporeicher Punk angesagt und schon haben wir es mit dem ersten Hinhörer zu tun.
Hat man nicht gleich nach den letzten „Spiel doch mal Jazz“-Tönen die Stopp- oder Repeattaste gedrückt, landet man unweigerlich bei „Schlechter Mensch“. Ah, eine Coverversion von The Troggs‘ „Wild Thing“. Dann aber doch nicht. Die Stimmung wechselt und mit dem einsetzten Gesang macht Zwakkelmann, begleitet von einer akustischen Gitarre, einen auf Liedermacher. Allerding nur ganz kurz, denn „Schlechter Mensch“ ist ein Headbanger für Partystimmung. Am Ende wieder zwei drei „Wild Thing“-Riffs. Kommt gut an bei den Leuten vor den Lautsprechern.
Singer/Songwriter oder Liedermacher-Ambiente triff auf Punk.
„Interessiert doch kein Schwein“ ist ein gelungener Mix und da müssen sich eher die Punk-Fans auf Liedermacher-Stimmung einlassen.
Und nochmals macht Zwakkelmann aus der Singer/Songwriter-/Punk-Mischung einen weiteren Song. „Muss das wirklich sein?“ Refrain im Punk verankert, wird der kritische Text im Liedermacher-Format vorgetragen. Gefällt!
Das Hardcore-Ding „Nein – nein – doch“ ist was für eingefleischte Anhänger und das abschließende „Blöde Ziege“ schunkelt über die Country-Weise. Die E-Gitarren schrammeln und mit Blick auf die Lyrics möchte niemand eine blöde Ziege sein.
Auch „Blöder Boomer“ ist vom Country infiziert worden.
Kurz aber heftig ist ein weiterer Bonus Track mit dem Titel „Einfall in rosa“. Dramaturgisch spannend aufgemacht ist diese Nummer ein Beispiel dafür, dass Zwakkelmann auch ohne eine Text punkten kann. Klasse!
Zwakkelmann schreibt lustige Geschichten. „Neben der Spur“ erzählt vom Einstieg in einen falschen Zug. Statt nach Berlin ging es nach London.
Und dann: »[…] Was ich zuletzt sah – waren Handschellen […]
Heute kann ich drüber lachen […]«.
Wir definitiv auch.
Geschmeidig geht es auch.
„ProzeDur in Moll“ ist fetziger Indie Rock mit krachenden Gitarren und zwischendrin einem feinen Groove.
„Gemischte Tüte“ von Zwakkelmann ist in den achtzehn Songs genau das, was der Albumtitel zum Ausdruck bringt. Das Zwakkelmann „Gemischte Tüte“-Allerlei lässt sich gut konsumieren.

Pressure Magazin
Schön ist, wenn man in diesen Zeiten angesichts der Realsatire aus dem Weißen Haus, dem Kreml und Co. noch die Fähigkeit besitzt, über sich selbst lachen zu können, weil es einfach gut ist, sich selbst nicht so ernst zu nehmen. Leider scheint sich diese Kompetenz auch bei vielen Mitmenschen zurückzuentwickeln, sollten die Profile und Posts auf Instagram, Snapchat etc. auch nur halbwegs authentisch sein. Es ist, als ob Bands wie Zwakkelmann damit einer aussterbenden Gattung angehören. Konsequenterweise gab die Band ihrem neuen Album den Titel „Gemischte Tüte“, welche ebenfalls aus dem kollektiven Bewusstsein für immer zu verschwinden droht. Für die jüngeren Leser sei deswegen der Hinweis erlaubt, dass früher, also bis in die 80er Jahre hinein, die „Gemischte Tüte“ für die sündigsten Träume süßigkeitsfanatischer Kinder stand. Auch für mich. Für eine D-Mark erwarb man nur das Beste (jedenfalls glaubte man das damals) aus der Welt des Dorfkiosks. Böse Zungen behaupteten allein der Name war für mich schon Grund genug, mich zum Kiosk zu bewegen.
Vermutlich hat Schlaffke Wolff, seines Zeichens Kopf und Sänger von Zwakkelmann, ähnliche nostalgische Erfahrungen gesammelt, weswegen er der gemischten Tüte gleich ein ganzes Album widmete. Anstelle von Süßigkeiten steckt darin eine bunte musikalische Mischung eingängiger, abwechslungsreicher Lieder irgendwo zwischen Punk, Rock, Indie und Hardcore. Inhaltlich bleibt die Band ihrer Linie treu: persönliche, direkte Texte, oft humorvoll, immer wieder sozialkritisch. Aber der Reihenfolge nach. Das interessiert noch kein Schwein Es beginnt mit „Das interessiert noch kein Schwein“. Darin rechnet Zwakkelmann im Stil eines melancholisch-allwissenden Liedermachers mit sich selbst- angesichts über 40-jähriger Existenz in der zweiten Punkrockliga gnadenlos ab.
Ähnlich schonungslos geht es im 3. Song „Der erfolgloseste Musiker aller Zeiten“ zu. Gut, dass Zwakkelmann in „Jammerlappen“ (noch so ein aussterbendes Wort) den Fokus auf die in Luxus und Wohlstand lebenden Mitmenschen legt, die sich über alles und jeden beschweren und dabei oft vergessen, welches Glück sie trotz allem haben.
Blöde Boomer und andere Abrechnungen
„Blöder Boomer“ ist inhaltlich ähnlich gelagert, kann mich aber durch die Country-Klänge noch mehr begeistern. Es ist nach der Zwakkelmann-Country-Hymne „Dusselige Kuh“ ein Lied für viele Männer, die leider zu viel Macht und zu wenig Empathie besitzen. In die Reihe der sozialkritischen Lieder passt dann auch noch „Muss das wirklich sein?“. Zwakkelmann hadert hörbar mit dem, was er in seiner Umwelt wahrnimmt. Manchmal überkommen ihn dann die dunklen Gedanken, wie er sie in „ProzeDur in Moll“ niederschreibt. Denn dann „verblüht mein ansonsten heiteres Gemüt“.
Wie wahr, aber zum Glück ist es nur ein trister Song, der von den Punkrocksongs „Detlef“ und „Das war doch klar“ in den Schatten gestellt wird.
Schlechter Mensch und musikalische Grenzen
Mein persönliches Lieblingslied ist „Schlechter Mensch“, in dem Zwakkelmann humorvoll von seinen kleinen und großen Sünden berichtet und am Ende der Meinung ist, dass kein Mensch ohne Fehler ist und man durch Fehler lernen könne. Und dann weiß ebenfalls „Spiel doch mal Jazz“ zu gefallen, welches die musikalischen Grenzen von Zwakkelmann humorvoll aufzeigt. Fazit zur Zwakkelmann-Platte „Gemischte Tüte“ Zwakkelmann sind und bleiben solide Punkrock-Handwerker mit Herz, Hirn und selbstkritischem Humor.